Regelkarten

Die Regelkarte oder auch Qualitätsregelkarte wird im Qualitätsmanagement eingesetzt, um einen Prozess oder ein Projekt über einen bestimmten Zeitraum kontinuierlich zu beobachten. Die daraus gewonnen statistischen Stichprobenwerte werden grafisch auf der Regelkarte dargestellt. Mit Hilfe des Verlaufs dieser Stichprobenwerte können Unregelmäßigkeiten erkannt werden und es kann entsprechend in den Prozess eingegriffen werden.
Grundsätzlich sind Regelkarten für alle Merkmale (z.B. Anzahl, Gewicht) anwendbar. Daraus folgt, dass Regelkarten auch für alle Prozesse anwendbar sind.

Erläuterung

Bei der quantitativen Projektsteuerung geht es darum, dass aus der Fertigung stammende Statistical Process Control SPC als Methodik auf Projekte anzuwenden.[1] 

Ziel

Die Ziele, die hinter dieser Methodik stecken, können in kurze und mittel-/längerfristige Ziele unterteilt werde.

Das kurzfristige Ziel ist hierbei, wichtige Projektarbeiten in ihrem Ablauf "statistisch" unter Kontrolle zu halten. Das mittel- bis längerfristige Ziel ist es, dass der Arbeitsablauf durch den Einsatz von Methoden der Qualitätsverbesserung auf ein höheres Qualitätsniveau angehoben werden soll.[2] 

Grundprinzip

Das Grundprinzip, von dem ausgegangen wird, ist, dass es in jedem Arbeitsprozess in einem Projekt Abweichungen zum erwarteteten Sollwert geben kann. Die Ursachen hierfür können sowohl natürliche Streuung als auch außerordentliche Einflüsse sein. Die natürliche Streuung ist auf eine Vielzahl kleiner, immer wieder vorkommender Einflüsse zurückzuführen. Demgegenüber stehen die außerordentlichen Einflüsse, die nur unregelmäßig auftreten, aber eine erheblich größere Auswirkung auf den Prozess haben und ihn instabil machen. Tritt ein solcher außerordentlicher Einfluss auf, so ist ein sofortiges Aktivwerden wichtig. Bei der natürlichen Streuung hingegen sind sofortige, störende Überreaktionen zu vermeiden.[3] 

Anwendung

Durch Regelkarten bzw. Kontrolldiagramme ist es möglich, dass die oben genannten natürlichen und außerordentlichen Ursachen voneinander abgegrenzt werden. Die gesetzten Grenzen liegen hierbei im Projektmanagement meist bei +/- der ein- bis zweifachen Standardabweichung um den Mittelwert. Nach den Regeln der Normalverteilung sind demnach rund 68% bzw. 95% aller Werte zu erwarten; es handelt sich um natürliche Streuung. Liegen Werte außerhalb dieser Bandbreite, so handelt es sich um außerordentliche Einflüsse.[4] 

Messgrößen

Die Regelkarte kann für eine Vielzahl von Projektsteuerungsgrößen verwendet werden. Die nachfolgende Tabelle soll einen beispielhaften Überblick darüber geben, welche Größen für welche Bereiche verwendet werden, und von wem bzw. wie häufig diese übermittelt werden.

Abb. 1: Metrik-System des Software Engineering Laboratory der NASA Abb. 1: Metrik-System des Software Engineering Laboratory der NASA[5] 

Beispiel

Abb. 2: Regelkarte/Kontrolldiagramm zur Verfolgung der Softwarequalität Abb. 2: Regelkarte/Kontrolldiagramm zur Verfolgung der Softwarequalität

Hier sehen Sie ein Kontrolldiagramm, welches Fehlermeldungen prognostizieren und verfolgen soll. Die historische Erfahrungslinie und deren Grenzen wurden ermittelt, indem etwa 25 frühere Projekte ausgewertet wurden. Um eine natürliche Streuung handelt es sich, wenn die Fehlerzahlen innerhalb der Grenzen liegen. Der Prozess ist dabei unter "statistischer Kontrolle". Befindet man sich jedoch außerhalb der Grenzen, so lässt sich sagen, dass es sich hierbei um außerordentliche Einflüsse handelt, die ermittelt werden müssen. Die Abweichung im dargestellten Beispiel kann vielfältige Ursachen haben, wie z.B.:

  • es wurde zu wenig getestet
  • das Team hat keine Fehlermeldung abgegeben[6] 

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Verlauf schnell erkennbar

Nachteile

  • Es wird nur die Wirkung und nicht die Ursache ersichtlich
  • Nicht kurzfristig wirksam

 

Quellennachweise

1.  Seibert, Siegfried: Softwaremessung, quantitative Projektsteuerung und Benchmarking. 2003. Abrufbar im Internet. URL: http://www.pmaktuell.org/uploads/PMAktuell-200304/PMAktuell-200304-032-Public.pdf. Stand: 25.05.12 [↑]

2.  Seibert, Siegfried: Softwaremessung, quantitative Projektsteuerung und Benchmarking. 2003. Abrufbar im Internet. URL: http://www.pmaktuell.org/uploads/PMAktuell-200304/PMAktuell-200304-032-Public.pdf. Stand: 25.05.12 [↑]

3.  Seibert, Siegfried: Softwaremessung, quantitative Projektsteuerung und Benchmarking. 2003. Abrufbar im Internet. URL: http://www.pmaktuell.org/uploads/PMAktuell-200304/PMAktuell-200304-032-Public.pdf. Stand: 25.05.12 [↑]

4.  Seibert, Siegfried: Softwaremessung, quantitative Projektsteuerung und Benchmarking. 2003. Abrufbar im Internet. URL: http://www.pmaktuell.org/uploads/PMAktuell-200304/PMAktuell-200304-032-Public.pdf. Stand: 25.05.12 [↑]

5.  NASA Software Engineering Laboratory (Hrsg.): Recommended Approach to Software Development. Revision 3, Document SEL-81-305, Greenbelt, NASA Goddard Space Flight Center, Maryland June 1992, Abrufbar im Internet: http://sel.gsfc.gov/website/documents/online-doc/81-305new.pdf Stand: 12.07.03 [↑]

6.  Seibert, Siegfried: Softwaremessung, quantitative Projektsteuerung und Benchmarking. 2003. Abrufbar im Internet. URL: http://www.pmaktuell.org/uploads/PMAktuell-200304/PMAktuell-200304-032-Public.pdf. Stand: 25.05.12 [↑]