Konzept-Selektion

Bei der Konzept-Selektion geht es darum das optimale Konzept für die Produktevolution mit neuen Technologien zu bestimmen (Bild 1). Dazu wird meist ein vorläufes Produkt entwickelt. Die Basis der Recherche bilden dabei sowohl eigene wettbewerbsstrategische Ziele und verfügbare Technologien, als auch die Beobachtung der bestehenden Markt- und Wettbewerbssituation. Nach dem eine grobe Selektion der gebotenen Konzepte erfolgt ist, wird anhand verschiedener Methoden die Endauswahl durchgeführt.[1] 
Wir unterscheiden zwischen vier Methoden:

  • Multi-Voting
  • Merkmal-basierte Matrix
  • Konzeptauswahl nach Pugh
  • FMEA/VMEA

Bild1Konzept

Bild 1

Multi-Voting

Multi-Voting - ist eine Methode zur Entscheidung oder Priorisierung von Ideen oder Aufgaben, in unserem Fall von Konzepten. Es bietet die Möglichkeit in kürzester Zeit eine schnelle Übersicht zu den Best-Solutions zu erstellen.
Die Vorgehensweise ist einfach. Bei einer Versammlung werden die Listen der Konzepte vorgestellt.
Danach erhalten alle stimmberechtigten Teilnehmer etwa 20% der Stimmenanzahl von der Anzahl der vorgestellten Konzepte. Sie können anschließend frei ihre Stimmen auf die Lösungsvorschläge verteilen. Das Konzept mit der höchsten Stimmenanzahl gewinnt das Rating und wird aber noch weiteren Analysen unterzogen. Die Multi-Voting Methode trägt mehr einen selektiven als einen festlegenden Charakter. [2] 

Merkmal-basierte Matrix (Quality Funktion Deployment)

Diese Methode nimmt im Vergleich zu Multi-Voting etwas mehr Zeit in Anspruch, dafür aber ist sie deutlich aussagekräftiger. Ihre Ergebnisse tragen Umsetzungscharakter.
Als erstes werden durch das Produktmarketing Kundenanforderungen ermittelt (Was braucht/will der Kunde?, u.a.). Gleichzeitig wird Benchmarking (aus der Kundensicht) über eigene und Wettbewerbsprodukte betrieben.

Hiernach folgt die Ermittlung der wichtigsten Merkmale, CTQs. Zu einem werden diese vom Entwicklungsteam aus dem Benchmark erarbeitet und zum anderen vom Team, das im eigenen strategischen Zielinteresse handelt (Wie stellt man es her?, Wie setzt man das ein?, u.a.). Auf Basis der gewonnen Ergebnisse werden weitere QFDs durchgeführt.
Nun folgt ein dreistufiger Prozess, der sich zusammensetzt aus Konzeptentwicklung, Design-Eigenschaften und Prozessplanung. Er muss gewährleisten, dass die aus der gewonnen Erkenntnis resultierenden Anforderungen an das Produkt und Prozess durch genauste Umsetzung zu dem gewünschten Endprodukt führen. [3] 

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Konzeptauswahl nach Pugh

Diese Methode ist einfach und zeitgering, da sie sich lediglich immer nur auf einen kundenrelevanten Faktor bezieht. Es erfolgt ein systematischer Vergleich nach bestimmten Kriterien über eine einfache Bewertungsskala.[4] 

Bewertungsschema nach Pugh

Nachdem alle stimmberechtigten Mitglieder ihre Bewertung abgegeben haben, erfolgt die Auszählung der Plus-, Minus- und Nullvergabe. Das dient als Basis der daraus folgenden Selektion.
Die Pugh-Matrix visualisiert die Schwächen und Stärken der Konzepte. Somit können die Stärken der schwachen Konzepte dazu benutzt werden die Schwächen der starken Konzepte aufzubessern. Diese Kombination der Konzepte erlaubt nicht nur die Verbesserung des Top-Konzeptes, sondern auch die Entwicklung eines alternativen neuen Konzeptes. Dieses alternative Konzept kann sodann in der erneuten Bewertungsrunde auf die Erfüllung der gestellten Kriterien geprüft werden.

Empfohlen wird und findet auch bereits Anwendung diese Methode bei Produktevolutionierung, d.h. wenn ein bestehendes Produkt oder auch Prozess auf weitere neue Eigenschaften ergänzt bzw. erweitert wird.

Beispiel

Es stehen fünf Konzepte zur Analyse bereit. A-Konzept ist das Referenz- bzw. das Basiskonzept, das als Bezugs/Vergleichsgröße für die anderen Konzepte gilt.
Alle Konzepte werden der sodann der Bewertung unterzogen:

Plus = 1
Minus = -1
Null = 0

Da die Pugh-Matrix in eine Microsoft Excel Tabelle erstellt wurde die Bewertungsskala an das Programm angepasst.
Nach der erfolgten Bewertung ist ersichtlich, dass das D-Konzept Rang 1 belegt und weiterverwendet werden soll. Das B-Konzept belegt Rang 4 und muss darum noch überarbeitet werden. Das E-Konzept wird dem Kombinieren unterzogen, weil es genau das Kriterium 6 erfüllt, an welchem es dem top-Konzept mangelt.

Bild 2

FMEA

Die abschließende Methode der Konzept-Selektion ist die Fehler-Möglichkeit-und-Einfluss-Analyse (FMEA). Sie basiert auf dem Wissen und der Erfahrung der Mitarbeiter. Es ist ein qualitatives Verfahren, das darauf zielt mögliche Fehler zu erkennen, zu gewichten anhand der Risiko-Analyse und zu verhindern.[5] 

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Quellennachweise

1.  Rolf Rehbehn und Zafer Bülent Yurdakul: Mit Six Sigma Zu Business Excellence: Strategien, Methoden, Praxisbeispiele, Erlangen 2005, S. 224 [↑]

2.  Vgl. 2009-2012 Bersbach Consulting, LLC, Tucson, Arizona. Posts Tagged ‘DMAIC’. Abgerufen auf http://www.sixsigmatrainingconsulting.com/tag/dmaic/, Stand 03.05.2012 [↑]

3.  Rolf Rehbehn und Zafer Bülent Yurdakul: Mit Six Sigma Zu Business Excellence: Strategien, Methoden, Praxisbeispiele, Erlangen 2005, S. 225f [↑]

4.  Rolf Rehbehn und Zafer Bülent Yurdakul: Mit Six Sigma Zu Business Excellence: Strategien, Methoden, Praxisbeispiele, Erlangen 2005, S. 226 [↑]

5.  Rolf Rehbehn und Zafer Bülent Yurdakul: Mit Six Sigma Zu Business Excellence: Strategien, Methoden, Praxisbeispiele, Erlangen 2005, S. 226f [↑]