Entstehung von Six Sigma

Sigma ist der 18. Buchstabe des griechischen Alphabets und wurde 1860 von Francis Galton als Begriff in der Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung eingeführt, um die Streuung einer Variablen um ihren Mittelwert zu beschreiben. Die Wurzeln des Six Sigma Ansatzes gehen sogar bis 1809 zurück als Carl Friedrich Gauss in seiner Veröffentlichung "Theoria Motus Corporum Arithmeticae" die Normalverteilung vorstellte. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts zeigte dann Walter Shewhart erstmals, dass ab eine Abweichung von drei Sigma um den Prozessmittelwert, in den Prozess zu dessen Verbesserung eingegriffen werden muss.[1] 

Nach Vorläufern in der japanischen Industrie entstand das Six-Sigma-Konzept im heutigen Sinne 1986/87 beim amerikanischen Telekommunikations- und Elektronikkonzern Motorola. Motorola hatte damals große Schwierigkeiten gegenüber japanischen Konkurrenten und musste die Qualität seiner Produkte und Prozesse um ein Vielfaches steigern. Um wieder zu einer reibungslosen Produktion zu gelangen, wurden wesentlich anspruchsvollere Qualitätsziele auf Six-Sigma-Niveau gesetzt und die bisherige Fehlerzählung pro Tausend produzierte Einheiten (Defects-per-Thousand-Parts) durch eine feinere Zählung der Fehler pro Million Fehlermöglichkeiten (Defects-per-Million-Opportunities) ersetzt. Angeregt hierzu wurde Motorola durch die japanische Matsushita Gruppe. Der japanische Konzern hatte 1974 die Fernsehgeräte-Sparte von Motorola übernommen und es durch eine rigorose Umgestaltung und intensiven Einsatz statistischer Methoden geschafft, Fernseher mit 95 % weniger Fehlern herzustellen als vorher bei Motorola.[2] 

Anfang 1987 setzte Motorola ein unternehmensweites Qualitätsverbesserungsprogramm auf, mit dem folgende Ziele erreicht werden sollten:

  • Die Produkt- und Servicequalität sollte bis 1989 um das Zehnfache verbessert werden.
  • Bis 1991 sollte die Produkt- und Servicequalität noch weiter auf das Hundertfache ansteigen.
  • Bis 1992 sollte Six-Sigma-Qualität, d.h. nur noch 3,4 Fehler pro Million Fehlermöglichkeiten, erreicht werden.

Motorola investierte zur Erreichung dieser Ziele 25 Mio. US-$ in Mitarbeiterschulungen, sparte gleichzeitig aber fast 480 Mio. US-$ ein. Angeregt von diesem Erfolg legten viele weitere Firmen ähnliche Programme auf. 1988 erhielt Motorola für diese herausragende Leistung den Malcolm Baldrige National Quality Award.[3] 

Eine weitere Steigerung der Popularität erlangte der Six-Sigma-Ansatz als er 1996 bei General Electric zur verbindlichen Qualitätsstrategie erklärt wurde. 1997 gab das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht bekannt, durch Six Sigma innerhalb von drei Jahren 2 Mrd. US-$ eingespart zu haben. Dadurch dehnte sich das Interesse und die Verbreitung des Ansatzes deutlich von der Fertigungsindustrie auf den Dienstleistungs- und Verwaltungssektor aus. [4] 

Die folgende Grafik zeigt weitere bekannte Unternehmen, die Six Sigma eingeführt haben.

Einführung von Six Sigma in der Praxis
Einführung von Six Sigma in der Praxis [5] 

 

Quellennachweise

1.  Waren Brussee: All about Six Sigma: The Easy Way to Get Startet, Seite 3 [↑]

2.  Kirsten Broechler/Cornelia Schönberger: Six Sigma für den Mittelstand, Seite 33 [↑]

3.  Claus Morgenstern: Praxishandbuch Band 1, Seite 97-98 [↑]

4.  Vgl. Peter S. Pande/Lawrence Holpp: What is Six Sigma, Seite 4 [↑]

5.  Armin Töpfer: Six Sigma: Konzeption und Erfolgsbeispiele für praktizierte Null-Fehler-Qualität, Seite 21 [↑]